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[How to] Der Unterrichtsentwurf: Teil 4 – Individuelle Kompetenzen, Verlauf und Anhang

Der Unterrichtsentwurf: Teil 4

congerdesign via pixabay.comCreative Commons Zero Lizenz

 

Im heutigen und damit letzten Teil meiner Reihe zum Unterrichtsentwurf widme ich mich den übrig gebliebenen Kapiteln. Ihr könnt durchatmen: Den Großteil der Arbeit habt ihr bereits hinter euch. Im letzten Teil geht es nun darum, die individuellen Kompetenzentwicklungen darzulegen, euren Verlaufsplan zu erstellen und – wenn nötig – ein Quellenverzeichnis anzugeben. Der Anhang ist ja kein Kapitel an sich mehr, dennoch gibt es auch für diesen Teil ein paar wichtige Hinweise.

Wer sich nochmal Teil 1 zum Aufbau anschauen und sich meine Hinweise und Tipps ansehen möchte, klickt bitte hier. Wenn es stattdessen nochmal Teil 2 mit den ersten 3 Kapiteln sein darf, geht es hier entlang. Um das Herzstück des Unterrichtsentwurfs mit der wichtigen Begründung der Lehr- und Lernstruktur ging es im letzten Beitrag. Ansonsten geht es jetzt los mit dem vierten und letzten  Teil meiner Reihe zum Unterrichtsentwurf. Verratet mir doch bitte in einem Kommentar, ob ihr den Beitrag als hilfreich empfunden habt.

 

Der Unterrichtsentwurf: Individuelle Kompetenzentwicklung, Verlauf und Anhang

 

Eine kurze Erinnerung zum Aufbau eines Unterrichtsentwurfs sei mir an dieser Stelle nochmal erlaubt. Wie man schnell feststellen wird, beziehen sich die Angaben auf den Vorbereitungsdienst in Berlin. Ich denke dennoch, dass man auch in anderen Bundesländern viel adaptieren kann.

 

Was gehört zum Unterrichtsentwurf?

Aus den Vorgaben des Senats im Handbuch Vorbereitungsdienst (Teil 1) ergab sich der folgende Aufbau, den ich stets verwendet habe:

  1. Individuelle Kompetenzentwicklung der Lehrperson
  2. Einordnung der Stunde in die Unterrichtsreihe
  3. Fachlich-inhaltlicher Schwerpunkt (Sachanalyse)
  4. Kompetenzentwicklung und Standards
    1. Allgemeine Unterrichtsvoraussetzungen
    2. Begründung der Lehr- und Lernstruktur
  5. Individuelle Kompetenzentwicklung der Lernenden
  6. Verlaufsplan
  7. ggf. Quellenverzeichnis
  8. Anhang

 

Kapitel 5: Individuelle Kompetenzentwicklung der Lernenden

In Kapitel 4 habt ihr euch bereits mit den Kompetenzen und Standards auseinandergesetzt, die der Rahmenlehrplan bereithält, und diese für eure geplante Unterrichtsstunde konkretisiert. Jetzt könnt ihr euch eure Formulierungen wieder hervornehmen, denn jetzt geht es darum, welche Kompetenzentwicklung drei eurer SuS im Unterricht zeigen sollen. Ganz wichtig: das ZEIGEN. Auch hier müsst ihr wieder darauf achten, dass eure geplanten Kompetenzentwicklungen beobachtbar sind.

Üblicherweise wählt man sich drei SuS, die die unterschiedlichen Leistungsniveaus der Lerngruppe widerspiegeln. Der Clue an der Geschichte ist, dass man den Fachseminarleitern damit die Möglichkeit gibt, die drei SuS gezielt zu beobachten und die individuelle Kompetenzentwicklung zu überprüfen. Die drei SuS sollten also mit bedacht gewählt werden.

Da jedoch nicht nur die ausgewählten SuS genau beobachtet werden, sondern natürlich die korrekte Einschätzung der Kompetenzentwicklung, ist ein besonderes Augenmerk auf die Formulierung zu legen. Als Mindeststandard bezeichnet man das untere Leistungsniveau, das auf jeden Fall von jedem der SuS erreicht werden soll. Der Regelstandard ist die Entwicklung, die der Durchschnitt durchläuft und der Maximalstandard ist das oberste Niveau, das die besonders leistungsstarken SuS aufuweisen.

Die Schwierigkeit in diesem Kapitel ist es, die Kompetenzentwicklung in drei unterschiedliche Niveaus zu differenzieren, die…

  • … beobachtbar sind.
  • … unterschiedliche Kompetenzstufen ansprechen.
  • … jede Schülergruppe individuell fördern und fordern.

 

Der Unterrichtsentwurf: Individuelle Kompetenzentwicklung der LernendenDer Unterrichtsentwurf: Individuelle Kompetenzentwicklung der Lernenden

 

 

Kapitel 6: Verlaufsplan

Der Verlaufsplan hat genau die Funktion, die der Name schon vermuten lässt: Er legt den geplanten Verlauf der Unterrichtseinheit schriftlich dar. Um die Übersichtlichkeit für den Leser zu wahren, sollte an dieser Stelle auf eine tabellarische Übersicht zurückgegriffen werden. Für den Aufbau der Tabelle gibt es zahlreiche Varianten – ich habe mich für einen Tabellenaufbau entschieden, der neben der zeitlichen Übersicht, das Lehrerverhalten, das antizipierte Schülerverhalten sowie Sozialform und Medien beinhaltet.

Der Vorteil solch eines Aufbaus ist es, dass er gleichzeitig zur Vorbereitung kurz vor dem Halten der Stunde dienen kann, wenn man den Plan günstig aufgebaut hat. Wie wollte ich nochmal überleiten? Was wollte ich an der Stelle nochmal sagen? Hier hast du die Möglichkeit, auch wörtliche Rede unterzubringen.

Verlaufsplan – das hört sich so trivial an, aber auch hier gibt es einige Punkte zu beachten, um beim Leser punkten zu können. Ein wichtiger Tipp zuerst: Versucht auf jeden Fall, den Verlaufsplan auf eine Seite zu bekommen. Egal, ob ihr mit der Formatierung schummeln oder einen Satz streichen müsst. Niemand möchte sich durch einen Verlaufsplan blättern müssen. Macht es übersichtlich – alles auf einer Seite.

Zeit/ Phase:

Hier gehört euer Zeitplan zur Unterrichtseinheit hin. Sinnvoll ist es, die Uhrzeit sowie die geplante Zeit in Minuten anzugeben. So hast du einerseits bei einem Blick auf die Uhr direkt das Wissen, ob du im Zeitplan liegst und weißt aber auch, wie viel Zeit du zur Verfügung hast. Damit der Leser des Unterrichtsentwurfs sofort weiß, um welche Phase es sich in den Zeilen handelt, sollte man auch einen griffigen, kurzen Namen hinzufügen, der verdeutlicht, was in der Phase passiert.

Geplantes Lehrerverhalten:

Was ihr in der jeweiligen Phase tun werdet, gehört in diesen Abschnitt. Auch Impulse in wörtlicher Rede können hier Platz finden. Eines ist wichtig: Ihr macht nie nichts. Das geht gar nicht. Selbst in Gruppenarbeitsphasen habt ihr ganz konkrete Aufgaben, die hier genannt werden müssen.

Antizipiertes SuS-Verhalten:

Welches Verhalten erwartet ihr von euren SuS? Das schreibt ihr in diesen Abschnitt der Tabelle.

Medien:

Welche Medien werden in der jeweiligen Phase verwendet oder benötigt? Dazu zählen einerseits Smartboards, Beamer, Tablets, aber auch Arbeitsblätter, Hilfekarten etc. Anhand dieser Aufzählung könnt ihr in der Vorbereitung nochmal überprüfen, dass auch alles da ist und nichts vergesse wurde.

Sozialform:

In welcher Sozialform findet die jeweilige Phase statt? Hier könnt ihr beispielsweise EA (Einzelarbeit), PA (Partnerarbeit), GA (Gruppenarbeit) oder UG/PL (Unterrichtgespräch/ Plenum) vermerken. Anhand dieser Spalte kann man die Wechsel der Sozialformen der SuS innerhalb der gezeigten Unterrichtseinheit gut nachvollziehen, um ggf. zu viele oder zu wenige Wechsel zu identifizieren.

 

Der Unterrichtsentwurf: Verlaufsplan

Der Unterrichtsentwurf: Verlaufsplan

 

Kapitel 7: Quellenverzeichnis

Ich habe in der Übersicht ganz bewusst “ggf.” hinzugefügt. Es hängt stark von eurem Fachseminarleiter ab, inwieweit er oder sie jede Aussage belegt sehen möchte. Ich habe tatsächlich immer nach dem Motto weniger ist mehr gearbeitet. Niemand möchte seitenlange Quellenverzeichnisse im Unterrichtsentwurf lesen. Belegt wichtige Aussagen und zitiert korrekt. Macht aus eurem Unterrichtsentwurf keine Abschlussarbeit.

In das Quellenverzeichnis gehören auch die Quellen zu Grafiken, die ihr verwendet, aber nicht selbst erstellt habt.Wenn ihr nichts zu zitieren habt, dann lasst ihr Kapitel 7 einfach weg.

 

 

Kapitel 8: Anhang

Ich möchte an dieser Stelle zunächst eEines tun: Mich selbst zitieren In Teil 1 gab es Folgendes zu lesen:

Die Struktur ist vor allem im Anhang wichtig. Klatscht nicht einfach alles Material dran, das ihr habt. Macht euch vorher Gedanken und wählt die Reihenfolge dann durchdacht. Einen Sitzplan, beispielsweise, hätten wohl alle Fachseminarleiter gerne und er wird oft genutzt. Es macht also Sinn, diesen als erstes anzuhängen. Denkt auch an die Musterlösungen zu euren Arbeitsblättern.

Bevor ihr einfach Materialien anhängt, lohnt sich eine Übersicht für den Leser. Diese Übersicht dient der Orientierung, was je nach Fülle des Anhangs sehr sinnvoll sein kann.

Was in euren Anhang gehört:

  • Ein Sitzplan – je nach Seminarleiter wird auch eine Diagnosematrix mit dem jeweiligen Leistungsstand integriert. Das habe ich nie gemacht, manche wollen es aber sehen
  • Folien oder Präsentationen, die ihr verwendet habt – diese könnt ihr je nach Aufbau auch ausdünnen, z. B. nur einmal den Verlaufsplan, falls er mehrfach in den Folien auftauchen sollte.
  • Arbeitsblätter
  • Musterlösungen zu euren Arbeitsblättern
  • Hilfekarten
  • Zusatzaufgaben
  • Musterlösungen zu Zusatzaufgaben

Zusammengefasst also ein Sitzplan und sämtliche Arbeitsmaterialien mit Lösungen.

Der Unterrichtsentwurf: AnhangDer Unterrichtsentwurf: Anhang

 


So, das war’s dann wohl zum Unterrichtsentwurf. Ich hoffe, ihr habt viele Hinweise und Tipps mit auf den Weg nehmen können und fühlt euch nun ein wenig sicherer in der Thematik. Viele Referendare haben fast schon Angst davor, sich an den Unterrichtsentwurf zu setzen, aber wie ihr vielleicht gesehen habt, ist es wirklich kein Hexenwerk. Arbeitet ordentlich und strukturiert, formuliert konkret und klar und fangt rechtzeitig an, zu schreiben. Damit legt ihr den Grundstein für einen Unterrichtsentwurf, der die perfekte Grundlage für euren Unterrichtsbesuch bildet.

Haben sich für euch noch Fragen ergeben in der Unterrichtsreihe? Auch für jegliches Feedback bin ich sehr dankbar. Hinterlasst mir gerne einen Kommentar

Eure Jennifer

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