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[How to] Der Unterrichtsentwurf: Teil 1 – Allgemeine Hinweise, Aufbau und Tipps

Der Unterrichtsentwurf: Teil 1 - Aufbau, Allgemeine Hinweise und Tipps

congerdesign via pixabay.comCreative Commons Zero Lizenz

 

Ein großes Thema im Referendariat ist immer wieder der Unterrichtsentwurf. Dieses Pamphlet, das Nerven kostet, unheimlich aufwändig ist und beim Unterrichtsbesuch fein säuberlich ausgedruckt auf dem Platz des Fachseminarleiters liegen sollte. Das dann akribisch auf Fehler untersucht und jede Unzulänglichkeit euch im Reflexionsgespräch dann unter die Nase gerieben wird. Und das euch Kopf und Kragen kosten wird, wenn es nicht perfekt ist. So oder so ähnlich wird der Unterrichtsentwurf immer empfunden, wenn man den allgemeinen Stimmen der Referendare folgt.

Ich möchte euch mit meiner kleinen Unterrichtsreihe Entwarnung geben. Der Unterrichtsentwurf ist halb so schlimm. Deshalb möchte ich euch in mehren Teilen die Bestandteile des Unterrichtsentwurfs, wie ich ihn kennengelernt habe, darlegen. Dabei werde ich euch etwas über den Inhalt und Aufbau des jeweiligen Kapitels verraten und Hinweise geben, worüber ihr vor dem Schreiben nachdenken solltet. Anschließend werde ich euch jeweils ein Beispiel aus einem meiner Unterrichtsentwürfe zur Verfügung stellen, um euch zu zeigen, wie es aussehen kann. Dass die Beispiele aus der Mathematik oder Informatik stammen, mag man mir bitte verzeihen Verratet mir doch bitte in einem Kommentar, ob ihr den Beitrag als hilfreich empfunden habt.

 

Der Unterrichtsentwurf: Allgemeine Hinweise und Aufbau

 

Der perfekte Unterrichtsentwurf?

Vielleicht könnt ihr es schon erahnen: DEN perfekten Unterrichtsentwurf gibt es nicht. Die Erwartungen an den Unterrichtsentwurf hängen nicht nur vom jeweiligen Bundesland ab, sondern schwanken auch zwischen den Fachseminarleitern derart, dass man keinesfalls von einem Patentrezept für Unterrichtsentwürfe sprechen kann.

Das erste, was man also tun sollte, ist herauszufinden, welche Erwartungen die eigenen Fachseminarleiter an den Unterrichtsentwurf haben. Das kann sich sogar zwischen beiden Fachseminarleitern unterscheiden, so dass man vielleicht in jedem Fach einen anderen Aufbau und andere Schwerpunkte wählen muss. Das muss aber nicht sein. Ich würde euch empfehlen, erstmal einen Aufbau zu finden, mit dem ihr klar kommt und diesen beim ersten Unterrichtsbesuch vorzulegen. Wenn eurem Fachseminarleiter etwas fehlen sollte, wird er euch das kommunizieren.

 

Austausch ist wichtig

Mein Tipp: Viele Fachseminarleiter haben durch ihre Arbeit sehr gute Unterrichtsentwürfe gesammelt, die sie als Orientierung (ohne Namen natürlich) weitergeben. Fragt danach! Solch ein Entwurf zeigt euch sehr genau, wie die Erwartungen des eigenen Fachseminarleiters aussehen. Auch Mitreferendare in fortgeschritteren Semestern im Fachseminar werden schon ziemlich genau wissen, was gefordert ist. Setzt auf Kommunikation und tauscht euch aus. Ein Austausch zwischen Referendaren ist unheimlich wichtig.

Manchmal widmen Fachseminarleiter auch Sitzungen dem Thema Unterrichtsentwurf und erklären euch, worauf sie achten und wie sie den Aufbau gerne hätten. Dann heißt es: Stift gezückt und mitgeschrieben oder mitgetippt, wenn ihr am Notebook arbeitet.

 

Aufbau eines Unterrichtsentwurfs

 

Es gibt einige Bestandteile, die ein Unterrichtsentwurf immer haben sollte. Manchmal gibt es unterschiedliche Bezeichnungen für dieselbe Idee. Ich werde im Folgenden die mir bekannten Bezeichnungen verwenden und euch einen Überblick geben, welche Bestandteile ein Unterrichtsentwurf haben sollte. Die genauen Ausführungen werdet ihr in den nächsten Teilen der Reihe finden.

 

Der erste Eindruck: Das Titelblatt

Aus meiner Sicht ist der Titel unterschätzt: Es ist der erste Eindruck, den ein Seminarleiter von eurem Entwurf erhält. Das Titelblatt sollte keine inhaltlichen und keine Rechtschreibfehler enthalten. Es muss den Leser im Idealfall optisch ansprechen und überzeugen. Das ist gar nicht so schwer.

Schön ist es immer, den Titel mit einem ansprechenden Bild zu versehen. Dieses sollte mindestens im Zusammenhang mit dem Inhalt der Stunde stehen. Mein Steckenpferd war es immer, das Bild besonders zu wählen. Im Fach Informatik habe ich beispielsweise den Verlauf der Stunde in thematisch passende Diagramme oder Quellcodes eingepflegt. So etwas macht Eindruck. Aber Vorsicht: Nach dem Titel muss der Inhalt dann gleichermaßen überzeugen, sonst folgt die Enttäuschung.

Aufbau eines Unterrichtsentwurfs - der Titel Aufbau eines Unterrichtsentwurfs - der Titel Aufbau eines Unterrichtsentwurfs - der Titel

 

Braucht ein Unterrichtsentwurf ein Inhaltsverzeichnis?

Ein Unterrichtsentwurf wird üblicherweise kurz vor dem Unterrichtsbesuch gelesen und während der Unterrichtsstunde durchgeblättert, um Dinge nachzuschlagen. Es ist also klar, dass die Fachseminarleiter keinen Roman erwarten. Ein langer Unterrichtsentwurf kann sogar genau das Gegenteil von dem erreichen als man eigentlich möchte: Der Fachseminarleiter muss sich erst durch zahlreiche Seiten suchen bevor er findet, was er sucht. Das zeugt nicht unbedingt von einem besonders fleißigen Referendar, sondern von einem Referendar, der sich nicht auf Wesentliches beschränken und kurz fassen kann.

Braucht man also ein Inhaltsverzeichnis? Aus meiner Sicht nicht. Die Vorgabe war für uns stets, uns kurz zu fassen und möglichst sieben bis acht Seiten nicht zu überschreiten. Ohne Anhang versteht sich. Wer also übersichtlich arbeitet und gut strukturiert, kann auf das Inhaltsverzeichnis problemlos verzichten. Außer der Fachseminarleiter möchte eines – das ist klar.

 

Was gehört zum Unterrichtsentwurf?

Innerhalb von Berlin sind die Anforderungen an den Unterrichtsentwurf sehr ähnlich, denn im Handbuch Vorbereitungsdienst, das vom Senat zur Verfügung gestellt und den Referendaren am ersten Tag ausgeteilt wird, gibt es klare Vorgaben:

Kompetenzorientierte Unterrichtsentwürfe geben Auskunft über die Planung und die Begründung von Unterricht. Sie machen Aussagen zur vorweggenommenen Konstruktion von Unterricht und weisen die Entwicklungsstände der Lerngruppen, die angestrebte  Kompetenzentwicklung und das geplante Arrangement der Lern- und Arbeitsprozesse aus. Unterrichtsentwürfe bilden die Grundlage für die Reflexion und die Evaluation des Unterrichts von Lehramtsanwärterinnen und -anwärtern sowie Ausbilderinnen und Ausbildern. Dabei bilden die im Handbuch dokumentierten Standards für Unterrichtsentwürfe die Vorlage für die Gestaltung und Verwendung von verbindlichen kompetenzorientierten  Unterrichtsentwürfen. Es ist darauf zu achten, dass die Ausführungen sich auf das Wesentliche beschränken und den Rahmen von etwa 5 Seiten nicht erheblich überschreiten.

Quelle: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie (2000); Handbuch Vorbereitungsdienst, 6. Auflage von Juni 2017, S. 18

 

Daraus ergab sich der folgende Aufbau, den ich stets verwendet habe:

  1. Kompetenzentwicklung der Lehrperson
  2. Einordnung der Stunde in die Unterrichtsreihe
  3. Fachlich-inhaltlicher Schwerpunkt (Sachanalyse)
  4. Kompetenzentwicklung und Standards
    1. Allgemeine Unterrichtsvoraussetzungen
    2. Begründung der Lehr- und Lernstruktur
  5. Individuelle Kompetenzentwicklung der Lernenden
  6. Verlaufsplan
  7. ggf. Quellenverzeichnis
  8. Anhang

In den folgenden Teilen werde ich auf die einzelnen Kapitel des Unterrichtsentwurfs genau eingehen, euch Tipps zur Erstellung und Beispiele aus meinen Entwürfen zur Orientierung an die Hand geben.

 

Ein paar Tipps

Bevor ich in Teil 2 beginne, euch die einzelnen Kapitel darzulegen, möchte ich euch ein paar Hinweise geben, die mir sehr geholfen haben und teilweise auf meinen Erfahrungen, teilweise auf Äußerungen von Fachseminarleitern beruhen.

  1. Ein schöner Titel macht, wie oben genau beschrieben, den ersten Eindruck aus. Achtet darauf, ob es sinnvoll ist, ihn oder Teile des Unterrichtsentwurfs farbig auszudrucken. Wer in seinem Dokument mit Farbe arbeitet, sollte darüber nachdenken. Es kann auch genügen, nur einzelne Seiten farbig auszudrucken.
  2. Wenn ihr mit Farbe arbeitet: Achtet darauf, dezente Farben zu wählen. Eine schöne Idee: Schaut euch die Farben des Schullogos an und adaptiert diese. Das zeigt, dass ihr euch Gedanken macht.
  3. Obwohl ein Inhaltsverzeichnis oft keinen Sinn macht, wünschen sich viele Fachseminarleiter die Angabe der Seitenzahlen auf den Seiten. Im Reflexionsgespräch lässt sich so schnell über einzelne Textpassagen sprechen, ohne dass viel gesucht werden muss.
  4. Achtet auf Konsistenz im Unterrichtsentwurf. Nutzt überall die gleiche Schriftart, vereinheitlicht die Schriftgrößen im Dokument und schaut, dass die Überschriften ebenfalls überall die gleiche Größe aufweisen. Wenn ihr etwas herausheben möchtet, arbeitet auch hier einheitlich: Es bieten sich zum Beispiel Formatierung wie fett oder kursiv an. Wichtig: Macht es überall gleich.
  5. Findet eine gute Struktur, die das Dokument übersichtlich hält. Versucht nicht auf Teufel komm raus Platz zu sparen. Keiner wird euch den Kopf abreißen, wenn der Entwurf eine halbe Seite länger, er dafür aber ordentlich und übersichtlich ist. Außer ihr habt Punkt 8 nicht eingehalten
  6. Die Struktur ist vor allem im Anhang wichtig. Klatscht nicht einfach alles Material dran, das ihr habt. Macht euch vorher Gedanken und wählt die Reihenfolge dann durchdacht. Einen Sitzplan, beispielsweise, hätten wohl alle Fachseminarleiter gerne und er wird oft genutzt. Es macht also Sinn, diesen als erstes anzuhängen. Denkt auch an die Musterlösungen zu euren Arbeitsblättern.
  7. Ein Tipp, der sich auf das gesamte Referendariat bezieht: Wenn es möglich ist, legt eure Lerngruppen fürs Staatsexamen schnell fest und besprecht dies mit eurer Schulleitung. So könnt ihr eure Lerngruppen gezielt auf Unterrichtsbesuche vorbereiten, sie Routine in diesen besonderen Situationen gewinnen lassen und ihr spart Zeit. Denn wenn ihr Rituale nutzt, und das macht Sinn, könnt ihr die Ausarbeitungen im nächsten Unterrichtsentwurf wiederverwenden. Auch die Analyse der Lerngruppe müsst ihr dann nicht immer wieder neu schreiben, sondern höchstens ergänzen oder verändern.
  8. Den allerwichtigsten Tipp habe ich mir zum Schluss aufgehoben, damit er nicht in Vergessenheit gerät Viel hilft viel zählt beim Unterrichtsentwurf nicht. Ihr tut euch keinen Gefallen damit, Romane zu schreiben. Verzichtet auf unnötige Ausschmückungen, nutzt konkrete und klare Formulierungen und haltet euch kurz. Denkt daran: Der Unterrichtsentwurf muss auch gelesen werden. Und wenn ihr viel schreibt, leidet irgendwann automatisch die Übersichtlichkeit und das Wesentliche geht verloren.

 

So, das soll es erstmal zum Aufbau und zu allgemeinen Hinweisen und Tipps gewesen sein. Ich hoffe, ihr findet die Tipps bisher hilfreich. In Teil 2 werde ich mich den Kapiteln 1 bis 3 widmen, euch also etwas zur Kompetenzentwicklung, der Einordnung in die Unterrichtsreihe und zur Sachanalyse erzählen. Hinterlasst mir gerne einen Kommentar, wie euch die erste Einführung gefallen hat. Ich freue mich!

Eure Jennifer

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