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[Rezension] Der Minecraft Coach für Eltern

Der Minecraft Coach für Eltern. Das Lesen definitiv wert!

[Werbung, da Produkt- und Markennennung]

Das Buch “Der Minecraft Coach für Eltern” von Richard Eisenmenger habe ich vom Rheinwerk Verlag zur Rezension erhalten, was aber keinerlei Einfluss auf meine Rezension oder meine geäußerte Meinung hat. Die Werbungskennzeichnung erfolgt lediglich aufgrund der Produkt- und Markennennung.

 

Es hat mich wieder erwischt. Die Wenigsten wissen, dass ich in den letzten 18 Jahren schon so einiges gezockt habe. Angefangen bei den früheren Point-and-click-Adventures (“Du kämpfst wie eine Kuh!”). Irgendwann habe ich online weitergemacht mit einer langen Zeit im MMORPG Ultima Online und später ein Übergang zu World of Warcraft oder Star Wars: The Old Republic. Kleinere Ausflüge zu Diablo waren zwischendurch auch dabei. Ihr merkt, ich habe da eine Vergangenheit. Ich habe so manche meiner engeren Freunde und sogar meinen Mann über ein Online-Game kennengelernt. Verrückt, oder? Und nachdem ich wirklich lange gar keine Zeit hatte, irgendwas zu spielen, hat mich jetzt wieder ein Spiel in seinen Bann gezogen. Und Schuld ist? Ein Buch. Aber fangen wir von vorne an.

 

Minecraft und Ich

Minecraft ist vermutlich den meisten Menschen ein Begriff. So auch mir – jedenfalls oberflächlich. Ich habe nie Minecraft gespielt, aber kenne die üblichen Pixelgrafiken und weiß, dass es eine Zeit lang sehr angesagt war und man nicht dran vorbeikam. Ach ja, meine Freundin Franzi hat mir irgendwann mal ein “Kohle, Kohle, Kohle”-Audio vorgespielt. Die Melodie habe ich heute noch im Kopf – danke nochmal dafür Ihr merkt schon: Mein Wissen über Minecraft war eher beschränkt. Irgendwas zum Bauen halt.

Erst viele Jahre später, vor etwa einem Dreiviertel Jahr, kam mir der Titel wieder vor Augen. Und zwar nur nebenbei, als ich ein paar unserer Schulnotebooks für meinen Sommercamp-Kurs mit POVRay ausstatten wollte. Ich weiß noch, wie ich mich fragte, was das Spiel da verloren hatte. Und ich nahm mir vor, meine Kollegen danach zu fragen. Wie es so ist, geriet das aber in Vergessenheit.

 

Eine Chance

Durch Zufall kam ich in Kontakt mit Richard Eisenmenger, der für sein Buch “Der Minecraft Coach für Eltern. Wie Kinder sicher und kreativ spielen” auf der Suche nach Rezensenten war. Mir war von Anfang an bewusst, dass ich vermutlich nicht unbedingt die Zielgruppe des Buches bin, denn ich habe kein Kind im Minecraft-Alter.

Ich war dennoch neugierig – ich wollte herausfinden, inwieweit ich Anknüpfungspunkte für meinen Unterricht finden kann. Erfreulicherweise zeigte sich der Autor sofort begeistert. Die Rezension sollte eigentlich der Kategorie Schulleben zugeordnet werden. Aber (und das muss ich vorwegnehmen): Das Thema Minecraft und Informatik ist derart umfangreich, dass es die Anknüpfungspunkte definitiv in weiteren Beiträgen auszuarbeiten gilt. Deshalb beschränke ich mich an dieser Stelle zunächst auf die Rezension – und die ist an sich schon umfangreich

 

Über den Autor

Richard Eisenmenger, Autor und Redakteur sowie geborener Münchner, verfolgt die Videospielbranche seit den 90er Jahren und hat seitdem zahlreiche Bücher über Computerspiele und Internetthemen veröffentlicht. Als bekennender Minecraft-Spieler hat er sich bereits in zwei weiteren Titeln dem Thema Minecraft gewidmet, bevor er sich nun mit seinem neuen Buch an die Eltern der Spielerschaft wendet.  Außer in der Minecraft-Welt lebt der Autor seine Kreativität gerne in der Fotografie aus.

 

Das sagt der Verlag über das Buch

Ihr Kind ist begeistert von Minecraft und es ist nicht mehr von PC oder Spielkonsole wegzubekommen? Keine Angst, Sie müssen hier nicht den Anschluss verlieren. Mit diesem Ratgeber lernen Sie das Spiel in allen Facetten kennen. Viele Ratschläge und Fakten machen Sie zum kompetenten Spielegesprächspartner.

  • Raffinierte Ratschläge und kuriose Fakten für Eltern
  • Sicher spielen, kreativ sein, gemeinsam Spaß haben
  • Verwandelt Eltern in kompetente Spielegesprächspartner

 

Rezension: “Der Minecraft Coach für Eltern”

 

Der erste Eindruck

Wenn man das den Minecraft Coach für Eltern in der Hand hält, fällt sofort das tolle Design auf, das sich durch das gesamte Buch zieht. Es ist wirklich ansprechend und gut gemacht und an den richtigen Stellen angemessen bebildert. Dadurch macht es wirklich Spaß, das Buch aufzuschlagen: Man bekommt direkt Lust, zu lesen.

Der Aufbau des Buches ist klar und durchdacht und nimmt in seiner Komplexität im Laufe des Buches zu. So dringt man Stück für Stück tiefer in die Materie Minecraft ein.

Wenn man die ersten Seiten gelesen hat, fällt umgehend die tolle Sprache auf, die im Buch genutzt wird. Es ist genau die richtige Mischung aus Umgangssprache, die das Lesen vereinfacht, und Fachsprache der Minecraft-Spieler, wobei beim ersten Auftauchen Begriffe stets erklärt werden. Dadurch lässt sich das Buch unheimlich gut und schnell lesen.

 

So ging es mir beim Lesen

Nun gut, ich kenne mich mit Computern und Gaming aus, wie oben bereits erwähnt. Dadurch konnte ich so manche Seite überspringen, denn die Anleitungen sind sehr ausführlich, wodurch sie für jeden verständlich und leicht nachvollziehbar sind. Sie umfassen dabei vor allem technische Aspekte, die bei weniger erfahrenen Menschen zu Stolperfallen werden könnten und bieten Lösungen für sämtliche Systeme. Das macht Sinn und macht das Buch für alle Eltern nachvollziehbar.

Der Minecraft-Crashkurs ist genau so wie ich es gerne hab: kurz, knackig, sinnvoll ausgewählte Inhalte. Alles in allem sehr nützlich. Nach dem Crashkurs folgt eine umfangreiche Einführung in die Minecraft Online-Community mit all seinen Regeln, üblichen Plattformen und interessanten Tipps, um sich in den Weiten des Internets hinsichtlich der Minecraft-Inhalte sicher zu bewegen.

Am Ende des Kapitels bin ich allerdings mehrfach aufgeschreckt. Ich finde den bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit Medien sehr wichtig. Das sollten wir unseren Kindern auch unbedingt mitgeben und sie entsprechend sorgsam heranführen. Das betrifft natürlich auch das Internet. Hinweise zum verantwortungsbewussten Umgang bietet das Buch sehr viele und sie sind nahezu alle gut.

Zum Umgang mit dem Internet gehört  gewissermaßen auch ein Stück Kontrolle durch die Eltern – wohl proportioniert. Wenn ich aber von einem “Spionagetipp” (S. 106) lese, sich die Emails der Emailadresse des Kindes automatisch weiterleiten zu lassen oder gelegentlich die Fotogalerien/ Chat-Historien des Smartphones des Kindes zu kontrollieren (S. 99), geht mir das einen ganzen Schritt zu weit. Sich die Browser-Historie anzuschauen, nun gut – das finde ich ok, um sich ab und an davon zu überzeugen, dass das entgegen gebrachte Vertrauen nicht missbraucht wird und das Kind sich an alle Regeln hält. Ich denke, dass Eltern prinzipiell eher dazu neigen, ihre Kinder zu kontrollieren – das müsste nicht noch angeheizt werden. Stattdessen sollte man auf gegenseitiges Vertrauen und Kommunikation setzen.

Ich persönlich bin ohnehin der Meinung, dass in einem Alter, in dem ich dem Kind nicht vertrauen kann, dass es sich an abgesprochene Regeln hält, andere Wege gefunden werden müssen. Da bin ich dann eher dafür, das Kind Minecraft lokal spielen zu lassen und auf Online-Zugang zu verzichten. Dann muss halt die gute, alte LAN-Party herhalten Interessanterweise geht es später im Buch nochmal um Kontrolle, die man im Minecraft-Spiel selbst ausüben könnte, wovon dann direkt abgeraten wird. Das kam mir etwas widersprüchlich vor.

Im darauf folgenden Kapitel geht es um Eltern-Kind-Kommunikation und ich habe mich gewissermaßen wie in einem Beziehungsratgeber gefühlt. Das ist durchaus positiv gemeint Die vorgestellten Ideen für das gemeinsame Miteinander haben Hand und Fuß und ich kann mir gut vorstellen, dass sie die Beziehungsebene nachhaltig verbessern. Beeindruckt hat mich z. B. der vorgestellte Vertrag zwischen Kind und Eltern, der Erwartungen für beide (!) Seiten formuliert. Das Kapitel ist sehr gelungen und weist nochmal exakt darauf hin, wie tatsächliche Sucht erkennbar ist und welche Überforderungen mit dem Spiel auftreten können und wie man reagieren kann. Die Zielsetzung für das Kapitel ist ganz klar die kompetente Unterstützung des Kindes in allen (Spiel-)Lagen, was ich ganz klar unterstütze und auch sehr wichtig finde.

 

Projekte in Minecraft

Im letzten Kapitel des Buches werden 17 Projektideen vorgestellt, die nach Schwierigkeitsgrad, Dauer, den Herausforderungen und dem Aspekt, der daran cool ist, klassifiziert werden. Dabei variieren Komplexität, Dauer und die Art der Herausforderung sehr stark, was eine tolle Vielfalt hervorruft. Was mir besonders gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass Hinweise eingearbeitet sind, wie mit Papier und Stift, und nicht nur mit dem Computer, sinnvoll gearbeitet werden kann. Manchmal macht es wirklich Sinn, weil es schneller geht, auf Papier zu konstruieren. In entsprechend komplexen Projekten wird zusätzlich auf die korrekte Dokumentation eingangen, was, auch im Informatikunterricht, (leider) oft untergeht. Die Projektideen überzeugen mich und zeigen auf, wie man zusammen mit dem Kind in Minecraft Zeit verbringen und dabei tolle Dinge schaffen kann.

Ein Projekt hat mich etwas nachdenklich gemacht: “Ein YouTube-Video drehen”. Die Idee an sich ist toll und macht Kindern bestimmt viel Spaß. Mir fehlt an der Stelle einerseits der Gedanke, dass nicht jedes Feedback (seien wir ehrlich: kaum ein Feedback), das in den Kommentaren landet, konstruktiv ist. Hater und Trolle zeigen sich vor allem auf YouTube und in den sozialen Netzwerken. Der Spaß an der Arbeit kann ganz schnell zunichte gemacht werden, wenn die Kommentare sie nicht wertschätzen. Abhilfe: die Kommentarfunktion ausschalten – dann fällt aber auch die wertschätzende Komponente des Projekts weg. Daher sehe ich das Projekt eher als ein Projekt für ältere Kinder, die reflektierter an Kommentare herangehen und diese besser einschätzen und bewerten können.

Gleichzeitig fehlt mir im Projekt ein kleiner Hinweis hinsichtlich der Sicherheit, die im Buch ja immer wieder zu Recht herausgestellt wird. Wer ein YouTube-Video dreht, sollte sich dessen bewusst sein, was er preisgibt. Das fängt damit an, welcher Name im Google-Konto angegeben wurde und ob er sichtbar im eigenen Kanal sichtbar ist. Es  endet mit der Nennung des Spielernamens und/oder Servers, auf dem man spielt. Ich bin der Ansicht, dass aus dem Video ein Rückschluss auf das Kind dahinter und sein Spielen  nicht möglich sein sollte.

 

Fazit

Ich weiß nicht, ob es ein besseres Feedback für ein Buch über ein Computerspiel gibt als dass der Leser unbedingt Minecraft ausprobieren will. Das zeigt genau, was dieser Elternratgeber kann: Er kann informieren, heranführen und begeistern. Damit trägt er einen großen Teil dazu bei, die Beziehung zum Kind auf eine neue Ebene zu heben. “Der Minecraft Coach für Eltern” gibt so viele kompetente Tipps und Ideen, dass alle davon profitieren. Wer sich also auf ein neues Abenteuer einlassen will, der greift zum Buch und wagt den Sprung in eine aufregende, spannende und eckige Welt, die so manches Mal zu überraschen weiß.

 

Und jetzt verratet mir: Habt ihr euch bereits in die Minecraft-Welt begeben oder traut ihr euch nicht? Wie löst ihr Probleme mit eure Kindern, wenn es um Computerspiele gibt? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Eure Jennifer

 

 

 

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