Mamablog, Mamaleben

Familienbande über Alles? Nein, danke!

Den Kontakt zur Mutter abbrechen, kann der nötige Schritt sein.

Heute ist Muttertag. Vielleicht genau der richtige Tag, um euch einen kleinen Einblick in mein Leben zu geben. Ich finde es immer wundervoll, wenn ich lese, dass die Familie so eng miteinander ist, die Mutter die beste Freundin und man sich Alles verzeihen muss, weil es ja Familie ist. Ach ne, Stop. Streichen wir den letzten Part: Dass man sich Alles verzeihen sollte, weil man ja Familie ist, finde ich furchtbar. Nur, weil man Familie ist, darf man sich nicht mehr erlauben als bei anderen Menschen. Vielleicht sogar weniger, denn die Familie als Konstrukt sollte besonders schützenswert sein. Ich gebe euch also heute einen kleinen Einblick und sage euch, dass es völlig in Ordnung ist, den Kontakt zur Mutter abbrechen zu müssen.

 

Meine eigene Familie ist mir heilig

Fangen wir mal bei meinem engsten Kreis an: meine eigene, kleine Familie. Für meine Tochter und meinen Mann würde ich Alles tun. Wir halten zusammen, unterstützen uns gegenseitig, jedenfalls mein Mann und ich. Als Kind ist man ja häufig Nutznießer der Unterstützung, die man durch die Familie erfährt. Und das ist auch gut so. Dennoch vermittle ich meiner Tochter jetzt schon, dass man sich nicht Alles erlauben kann. Dass es Dinge gibt, die andere Menschen sehr traurig und wütend machen. Dass es einfach Dinge gibt, die man auf keinen Fall tun sollte. Ich finde das richtig. Familienbande sind kein Freifahrtschein für schlechtes Benehmen. Und es gibt Dinge, die man sich auch da nicht erlauben darf.

 

Den Kontakt zur Mutter abbrechen

Ich hatte häufig Diskussionen mit meinen Brüdern oder meiner Oma, weil ich den Kontakt zu meiner Mutter abgebrochen habe. Wer sagt, dass man nicht den Kontakt zur Mutter abbrechen darf? Wir haben eine schwierige Vorgeschichte, die ich an dieser Stelle aber nicht ausrollen möchte. Auf Wunsch meines mittlerweile leider verstorbenen Opas hin, bin ich vor etwa 5 Jahren einen Schritt auf meine Mutter zugegangen und hatte daraufhin wieder Kontakt zu ihr. Im Nachhinein war das vielleicht nicht die ideale Ausgangslage, um sich wieder näher zu kommen, aber mein Opa hat es sich so sehr gewünscht – es war der letzte Wunsch, den er mir gegenüber geäußert hat. Mein Opa hat immer Alles für seine Familie getan, Alles hingenommen. Familie war ihm heilig.

Nachdem es mit meiner Mutter und mir einige Zeit gut ging, ging es mir irgendwann immer schlechter. Ich habe an meine Mutter gedacht und mich geärgert. Mich aufgeregt. Fast permanent. Das hat mich wahnsinnig gemacht. Kurz gefasst: Als man mir (und meiner Familie) über viele Wochen hinweg eine Krebserkrankung vorlog und ich durch Zufall die Wahrheit erfuhr, war für mich der Drops gelutscht. Es gibt Dinge, die man nicht tut. So etwas gehört für mich ganz klar dazu! Man spielt nicht mit den Sorgen und Ängsten seiner Familie. Schluss aus!

 

Selbstschutz ist eine Pflicht

Meine Familie hat mich deshalb insgeheim häufig als stur und drastisch betitelt. Sie sei ja trotzdem unsere Mutter. Ich bin in der Hinsicht vielleicht zu konsequent, aber was mir nicht gut tut, kann nicht Teil meines Lebens sein. Ich bin dazu verpflichtet, auch auf mich selbst zu achten. Es kann nicht nur um die Befindlichkeiten meines Umfelds gehen. Wenn es mir wegen etwas schlecht geht, muss ich für mich entscheiden, wie ich damit umgehe. Und dazu gehörte, die Bande zu meiner Mutter zu kappen. Es war die beste Entscheidung für mich und ich habe sie keinen Tag bereut.

Damit geht auch einher, sich eine dicke Haut anzuschaffen. Als jemand, der solch konsequente Schritte geht, ist man häufig der Buhmann. Obwohl man selbst nur reagiert und gar kein Auslöser war, ist man am Ende immer der Schuldige. Denn man selbst ist dann ja Schuld, dass es der Person, von der man sich trennt, schlecht geht. Ganz egal, was vorher gewesen ist.

 

Die Sache mit dem Enkelkind

Es gibt eine Sache, die mir immer wichtig war: Egal, was zwischen meiner Mutter und mir ist, meine Tochter darf darunter nicht leiden. Ich habe es meiner Mutter von Anfang an offen gelassen (und auch klar kommuniziert), dass sie ihr Enkelkind jederzeit sehen kann. An der Stelle kann ich tatsächlich zurücktreten und Prioritäten setzen, denn ich weiß, dass meine Mutter trotz der Vorgeschichte keine schlechte Oma wäre. Ich habe nie ein schlechtes Wort über meine Mutter vor meiner Tochter geäußert. Aber ihr lest schon, ich habe “wäre” geschrieben. Obwohl es trotz der Entfernung immer wieder Möglichkeiten gegeben hat und gibt, werden alle seit Jahren rigoros ignoriert. Es wird kein Kontakt gesucht. Ach doch. Zum Geburtstag und zu Weihnachten kommt ein Paket mit Karte und Geschenk. So wie Großeltern das halt machen. NOT! Meine Tochter kennt ihre eigentliche Oma als solche nicht. Das finde ich schade, aber ich bin nicht in der Lage, das zu ändern.

 

Familienbande sind kein Freifahrtschein…

… für schlechtes Verhalten! Immer, wenn ich lese “Aber das ist doch Familie”, denke ich: Ja, und nun? Soll man Alles hinnehmen, weil es ein Familienmitglied ist? Ich denke nicht! Gerade, wenn es Familie ist, sollte man besonders aufeinander Acht geben und sich umeinander bemühen. Von allen Seiten aus. Immer, wenn ich von tollen Familiengeschichten lese, freue ich mich mit und hoffe, dass man sich des eigenen Glücks bewusst ist. Wichtig ist: Es ist keine Schande, wenn man keinen Kontakt zu einem Familienmitglied hat. Es kann genau das Richtige sein. Und sagt nicht ständig “Aber es ist doch Familie”. Das ist völlig bedeutungslos, wenn man sich nicht wie Familie verhält und sich der besonderen Pflicht, die damit einhergeht, nicht bewusst ist. Familie als solche ist, ohne Frage, besonders schützenswert. Dazu gehört, wertschätzend miteinander umzugehen und auch das Wissen, das viele vergessen: sich nicht Alles erlauben zu können.

 

 

Ich bin gespannt auf eure Geschichten: Könnt ihr euch vorstellen, keinen Kontakt zu einem Familienmitglied zu haben? Was müsste geschehen, dass ihr die Notbremse zieht und den Kontakt abbrecht? Habt ihr genau das schon durchgemacht und den Kontakt zur Mutter abbrechen müssen? Erzählt mir bitte davon! Vielleicht wollt ihr auch eure Geschichte hier auf dem Blog erzählen? Dann schreibt mir gerne eine Nachricht.

Eure Jennifer

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