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Heute schon geplickert? Wie Plickers deinen Unterricht bereichern kann

Plickers sorgt im Unterricht für Schüleraktivierung, Motivierung und Spaß.

Ich möchte euch heute, im ersten Teil meiner Plickers Reihe, eine tolle Möglichkeit vorstellen, euren Unterricht mit einem besonderen Medium gezielt zu bereichern. Viele von euch kennen Plickers vielleicht nicht, so dass ich euch Plickers heute vorstellen möchte, um euch dann auf tolle Einsatzmöglichkeiten und vor allem auch auf mögliche Probleme hinzuweisen.

Im zweiten Teil nächste Woche wird es um meinen konkreten Einsatz im Mathematikunterricht und die Erfolge gehen, die mit dem Plickers-Einsatz dahergingen. Dazu kommt eine sehr interessante Evaluation, die ich nach 9 Monaten Plickers-Einsatz in (fast) jeder Mathematik-Stunde mit meiner Klasse durchgeführt habe.

 

Plickers? Was ist das?

Plickers ist eine Quiz-Methode, die im Unterricht auf verschiedenste Weise eingesetzt werden kann. Die Methode stellt ein Zusammenspiel von Schüleraktivität in Form von hochzuhaltenden QR-Codes, einer App auf dem Smartphone des Lehrers und einer Internetseite, die am Smartboard oder Beamer für alle Schüler sichtbar gemacht wird, dar. Hört sich spannend an? Ist es auch!

 

Das brauchst du, um Plickers in deinem Unterricht einzusetzen

  • einen Plickers-Account auf der Website
  • einen Beamer oder ein Smartboard zum Aufrufen der Website
  • ein Smartphone mit Kamera und der Plickers-App
  • QR-Codes, die den Schülern ausgeteilt werden

 

So läuft eine Plickers-Phase ab

In Vorbereitung auf den Unterricht erstellst du unter deinem Account eine Klasse für deine Lerngruppe und druckst die entsprechende Anzahl an QR-Codes aus. Du erstellst ein Quiz aus einer Anzahl an Fragen, die du für sinnvoll erachtest, und weist sie deiner Klasse zu. Das kannst du dir in etwa wie bei “Wer wird Millionär” vorstellen. Zusätzlich kannst du aber mit Bildern arbeiten oder True-False-Fragen einbauen.

Im Unterricht teilst du die QR-Codes aus – entweder hat jeder Schüler einen bestimmten QR-Code (sie sind durchnummeriert) oder du lässt die Schüler das Quiz anonym lösen. An jeder Seite des QR-Codes befindet sich ein Buchstabe von A bis D. Dies sind die Antwortmöglichkeiten.

Wenn eine Frage angeworfen wird, überlegen die Schüler sich die Antwort und halten den QR-Code so hoch, dass die Antwort, für die sie sich entscheiden, oben ist (z.B. die Seite mit der Antwort a). Du als Lehrer scannst mit der Plickers-App die Antworten ein und jeder Schüler sieht an der Tafel, ob seine Antwort erkannt wurde. Danach kannst du visualisieren, wie die Verteilung der Antworten der Klasse aussieht und wie die richtige Antwort ist. Ich persönlich erachte es oft als lohnenswert, wenn die Frage nochmal thematisiert und die Antwort kurz begründet wird.

Du als Lehrer kannst in deinem Account ausführliche Statistiken einsehen: Beispielsweise wie viele Schüler welche Aufgaben nicht lösen konnten oder wie ein bestimmter Schüler abgeschnitten hat (wenn die Nummern bewusst zugeteilt werden).

 

So kannst du Plickers im Unterricht sinnvoll einsetzen

Plickers stellt für die Schüler einen riesigen Motivationsschub dar. Die möglichen Folgen liegen auf der Hand: Aktivierung, höhere Leistungsstärke und vor allem ganz viel Spaß. Das sind Erfahrungen, die ich im Mathematikunterricht nach 9 Monaten Einsatz berichten kann, aber dazu im zweiten Teil mehr

Zum Einstieg in den Unterricht kann Plickers als Reaktivierung von Wissen herangezogen werden. So kann an vorangegangene Stunden angeknüpft und ein nahtloher Übergang zur aktuellen Stunde geschaffen werden. Mögliche Probleme und Verständnisschwierigkeiten werden in diesem Zusammenhang gut sichtbar und können dazu dienen, diese erneut zu thematisieren und Wissenslücken zu schließen.

Doch warum nicht am Ende der Stunde anwenden? Ich vermute, dass viele Lehrer gar nicht wissen möchten, ob ihr Stundenziel so erreicht wurde wie sie es sich vorgestellt haben Es ist ja nun mal eine Visualisierung, die zeigt, wie gut die Stunde funktioniert hat. Doch warum nicht? So wisst ihr ganz genau, ob die Lerngruppe das aus dem Unterricht mitnimmt, was ihr geplant habt. Kam ein Inhalt doch nicht so rüber? Wurde etwas nicht verstanden? Ihr seht es sofort!

Wenn ihr die Karten tauschen lasst, um Anonymität zu gewährleisten, könnt ihr eine Art Feedback-Runde ritualisieren. Fragen könnten sich an den Fähigkeiten der Lehrkraft oder auch an den Inhalten orientieren. Fühlt ihr euch im Themengebiet xyz sicher? Wie gefällt euch der Unterricht? Ihr spart euch die Auswertung, denn die könnt ihr direkt in eurem Plickers-Account einsehen.

Von manchen Kollegen habe ich schon die Nachfrage erhalten, ob damit nicht auch Vokabeltests durchgeführt werden können. Diese müssten dann ja nicht mal eigenständig bewertet werden. Ich sage bewusst dann ganz vorsichtig: ja. Ganz vorsichtig, weil die Leistungsüberprüfung für die Schüler natürlich kein Lernraum mehr ist, der für Spaß sorgt, sondern ihre Leistung überprüft und Druck aufbaut. Ohnehin sind echte Leistungsräume in Plickers nur möglich, wenn die Methode gut ritualisiert ist: die Schüler dürfen sich also nicht austauschen, müssen ganz ruhig sein und bleiben. Das ist eine Herausforderung und braucht Zeit. Eine Vokabelreaktivierung am Anfang der Stunde halte ich aber für sinnvoll und gut umsetzbar. Lediglich  Leistungsräume sollte man mit Vorsicht genießen.

 

Da sehe ich bei Plickers Grenzen

Du machst dich mit dem Plickers-Einsatz natürlich hochgradig von der Technik abhängig: Internet ausgefallen? Smartboard funktioniert nicht? Als Informatik-Lehrerin kenne ich viele Tricks, um Technikprobleme aus der Welt zu schaffen, die Kenntnisse sind aber ja nicht immer da. Ein Plan B ist nie verkehrt.

Im Mathematik-Unterricht gelangt man schnell an seine Grenzen: Der fehlende Formel-Editor erschwert die Verwendung enorm. Ich umgehe dies, indem ich in einer Textverarbeitungssoftware Formeln erstelle und als Bilder in Plickers-Quizfragen einfüge. Geht, ist aber umständlicher als es sein müsste.

Ihr werden vielleicht bemerken, dass sich so eine neue Idee wie ein Lauffeuer verbreitet. Kollegen werden auf euch zukommen und ihr werden ihnen die neue Methode zeigen müssen. Der Austausch im Kollegium ist leider unnötig schwer. Es gibt keine Export- oder Import-Funktion, so dass man sich die Fragen im Fachbereich nicht problemlos untereinander austauschen kann. Mein nächster Weg ist deshalb ein gemeinsamer Plickers-Account für unseren Fachbereich, in dem jeder seine Klassen anlegen kann und die Fragen Themenbereichen zugeordnet werden. Eine kleine Datenbank an Fragen sozusagen. Wie das in der Praxis funktioniert, ist aber von mir noch nicht erprobt.

Das allerwichtigste aber: Plickers ist eine amerikanische Firma, die Server stehen demnach irgendwo in den USA. Bitte beachtet die für uns geltenden Datenschutz-Gesetze für personenbezogene Daten! Das Berliner Schulgesetz gibt in §64 ganz klare Vorgaben, wo wir personenbezogene Daten unserer Schüler verwenden dürfen. Da zählt unser Plickers-Account natürlich nicht zu! Verzichtet also auf jeden Fall auf die Nachnamen und weitere Angaben zur Schule.

 

5 persönliche Tipps für den Plickers-Einstieg

  1. Plane für eine Plickers-Phase genug Zeit ein! Eine Faustregel, die sich bei mir im Mathematikunterricht bewährt hat, lautet: 10 Minuten für 5 Fragen.
  2. Mache deine Klasse darauf aufmerksam, die QR-Codes so hochzuhalten, dass sich die Finger nicht auf den schwarzen Flächen befinden. Das kann das Einscannen erschweren und wertvolle Zeit kosten.
  3. Je nach Fragentyp und Unterrichtsfach, kann es sinnvoll sein, die Denkzeit für die Klasse zu beschränken.
  4. Lass dich von Hindernissen nicht direkt entmutigen: Der Einsatz der Plickers-Methode ist durch das Zusammenspiel vieler Faktoren nicht immer in der ersten Stunde von Erfolg gekrönt. Nimm dir bewusst 2-3 Unterrichtsstunden Zeit, um die Methode im kleinen Rahmen und in kurzen Phasen auszuprobieren.
  5. Sei offen und probier es einfach aus: Deine Schüler werden begeistert sein. Und wir wissen ja, was Motivation mit Schülern anrichtet

 

Ich bin sehr gespannt auf eure Meinungen und Erfahrungen. Kennt ihr Plickers? Habt ihr es schon mal ausprobiert? Oder wollt ihr? Vielleicht auch nicht? Erzählt mir, was ihr darüber denkt. Nächste Woche stelle ich euch meinen Einsatz im Mathematikunterricht ganz konkret vor und zeige euch meine Evaluation, die erstaunliche Ergebnisse bereithält.

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